INTERVIEWS

AKTIVE SPIELER ALS ERFOLGSMODELL FÜR DIE JUGENDARBEIT

Julius Otterbach und Moritz Klein im Gespräch

Zum ersten Mal in einer Mannschaft spielen, die Grundlagen des Fußballspiels kennenlernen, die ersten Siege und Meisterschaften erringen und Freunde für’s Leben finden - diese Erfahrungen sammelt man nur innhalb des Jugendfußballs . Ohne eine funktionierende Jugendabteilung ist die Zukunftsfähigkeit des gesamten Vereins nicht garantiert. Daher ist es umso wichtiger, dass sich Personen finden, die ihre Zeit und ihr Herz investieren und eine ehrenamtliche Aufgabe im Jugendbereich übernehmen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Kinder und Jugendliche vor allem Trainer respektieren und schätzen, die sich noch im aktiven Fußballgeschäft befinden. Leider ist dieser Optimalfall nur selten gegeben, da gerade die Seniorenspieler durch ihr eigenes Training zeitlich stark eingeschränkt sind. Doch seit dieser Saison haben sich mehrere Spieler bereiterklärt einen Jugendbetreuerposten zu übernehmen. Julius Otterbach und Moritz Klein, beide Spieler der 1. Mannschaft, leiten seit Sommer die C2-Jugend, die sich nach 12 Spielen auf dem ersten Tabellenplatz befindet. Seniorenspieler als Jugendtrainer - ein Erfolgsmodell. Wir haben mit beiden ein Gespräch geführt. Viel Spaß dabei.

 

Hallo Moritz, hallo Julius. Wir gehen mal zurück in das letzte Jahr. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr einen Jugendposten übernommen habt?

 

Moritz: Wir haben schon länger überlegt einen Trainerschein zu machen, nachdem der Verein uns angemeldet hat kam der Verein auf uns zu und fragte, ob wir dann nicht schon nächste Saison mit der C-Jugend beginnen möchten. Nach kurzer Überlegung war uns eigentlich schnell klar, dass dies ein sinnvoller und guter Start für den Job als Trainer ist, denn man kann der Jugend was beibringen und lernt selber viel über den Trainerjob.

 

Wie waren die ersten Schritte als Jugendbetreuer? Haben euch die Jungs gut aufgenommen?

 

Moritz: Die ersten Schritte waren vorsichtig und wacklig, wie das halt ist, wenn man neu anfängt. Die Kinder haben uns jedoch gut aufgenommen und nach den ersten paar Trainingseinheiten war es als würde man schon ewig zusammen arbeiten.

 

Gab es Dinge, die ihr vorher unterschätzt habt? Oder hattet ihr vorher Befürchtungen, die sich nicht bewahrheitet haben?

 

Moritz: Unterschätzt habe ich die Leistung der Kinder, da sind wirklich ein paar Granaten bei. Da hätte ich persönlich in der Form nicht mit gerechnet. Was ich vorher befürchtet hab ist der zeitliche Aufwand und wie die Kinder uns aufnehmen, aber so wie sie uns aufgenommen haben, hat sich das ganz und gar nicht bewahrheitet.

 

Wie baut ihr grundsätzlich euer Training auf? Woher bekommt ihr eure Trainingsideen?

 

Moritz: Ja, wie bauen wir unser Training grundsätzlich auf? Gute Frage. Ein großer Vorteil ist, dass wir selber unser Leben lang spielen denk ich, man kennt viele Übungen, man nimmt viel mit und wir versuchen unser bestes eine Kombination aus Erfolg und Spaß am Training zu erreichen.

 

Als aktiver Spieler hat man meistens zwei mal die Woche Training, dazu kommen noch das Spiel am Sonntag. Als Jugendbetreuer steht man auch zwei Mal auf dem Trainingsplatz und einmal beim Jugendspiel - wie bekommt ihr das alles unter einem Hut?

 

Moritz: Bei den Trainingszeiten ist uns der Verein sehr entgegen gekommen: Training der 1. Mannschaft ist Dienstags und Donnerstags. Wir konnten es so legen, dass wir jeweils davor mit der Jugend trainieren. Das vereinfacht die ganze Sache natürlich extrem. Und da wir beide eigentlich den Fußball leben ist es für uns denk ich nicht schwierig, am Wochenende 2 mal für den Verein unterwegs zu sein. Samstags mit den Jungs und Sonntags mit der Ersten, das ist meistens eher kein Problem.

 

Wir wollen kurz über eure Mannschaft sprechen: Ihr seid Tabellenführer. Man kann annehmen, dass ihr mit der sportlichen Entwicklung zufrieden seid, oder?

 

Moritz: Mit der Entwicklung der Jungs sind wir sehr zufrieden. Sie nehmen viel auf von dem was wir sagen. Klar ist da noch Potential, aber das ist in dem Alter ja normal. Fußball spielt man halt nicht nur mit dem Fuß, sondern überwiegend mit dem Kopf, da können wir den Jungs noch was beibringen, denk ich.

 

Was war euer bisheriger Höhepunkt als Jugendtrainer? Gab es auch mal Momente in denen ihr verzweifelt?

 

Julius: Also ich würde sagen unsere Höhepunkte waren die guten und knappen Spiele, wie gegen Liebenscheid und Gebhardshain. Da war bis zum Schluss alles offen und wir haben sie dann erfolgreich für uns beendet. Das macht ein dann schon irgendwo stolz, wenn man die Jungs so sieht, wenn sie wirklich alles reinhängen und alles geben. 

Richtig verzweifelt waren wir jetzt glaub ich nicht, da die Jungs doch sehr gut mitziehen und es daher schon alles in guter Ordnung ist.

 

Moritz: Also da kann ich Julius nur zustimmen. Mein persönlicher Höhepunkt war das Spiel gegen Gebhardshain, was wir in der Nachspielzeit verdient noch für uns entscheiden konnten. In solch einem „Spitzenspiel“ sind die Emotionen dann auch bei den Kindern hoch.

 

Was würdet ihr  einem Mannschaftskollegen sagen, wenn dieser überlegt einen Trainerposten zu übernehmen?

 

Julius: Prinzipiell würd ich sagen, dass es durchaus Spaß macht mit den Jungs zu trainieren und zu den Spielen zu fahren. Man darf halt den zeitlichen Aspekt nicht außer Acht lassen. Aber ansonsten ist es ein guter Job, der viel Spaß macht und man, denk ich auch, für sich selber noch viel mitnehmen kann.

 

Moritz: Wenn mich ein Mannschaftskollegen fragen würde, würde ich es empfehlen eine Mannschaft zu übernehmen! Man lernt selber nochmal viel dazu, wenn man mit Kindern/Jugendlichen arbeitet und sich die Spiele auch von außen als Trainer anguckt. Klar würde auch ich den zeitlichen Aspekt ansprechen, aber da wird der Verein einem immer entgegen kommen. 

 

Meint ihr, dass es vom Vorteil ist, wenn ein aktiver Spieler eine Jugendmannschaft übernimmt?

 

Julius: Ich finde das ist eine gute Sache, wenn es aktive Spieler machen. Man ist dann ja sowieso voll im Geschehen drin und man kann viele Sachen aus dem aktuellen Training der Senioren mitnehmen und irgendwie verwenden. Außerdem gibt ist es auch glaube ich auch vor den Jungs ein gutes Bild, wenn sie von aktiven Spielern trainiert werden. Sie gucken uns dann auch Sonntags schon mal zu und so kann man dann schnell und einfacher eine gute Beziehung zu den Jungs aufbauen

 

Moritz: Ich glaube es ist ein großer Vorteil, wenn ein aktiver Spieler als Jugendtrainer arbeitet. Die Jungs nehmen einen ganz anders wahr, als wenn z.B. es der eigene Vater macht. Ich denke wir können den Jungs auch viel beibringen, da wir ja auch jede Woche noch dazu lernen. 

 

Wie sehen eure Ziele als Trainer aus? Was habt ihr in dieser Saison noch vor? Und was in den kommenden Jahren?

 

Julius: Wir haben diese Saison die Möglichkeit Meister zu werden. Das wär natürlich perfekt. Aber dafür müssen wir auch noch einiges tun, um bis zum Schluss da oben bleiben. Das Hauptziel ist es aber denk ich den Jungs noch viel mitzugeben und weiterzuentwickeln. Was uns betrifft ist es noch etwas schwierig zu sagen, wie es weitergeht zwecks Beruf und wie es dann zeitlich noch passt.

 

Moritz: Unser Ziel ist es natürlich weiterhin oben mit zu spielen und diese Saison mit einem positiven Ergebnis zu beenden. Was in den kommenden Jahren kommt ist fragwürdig, da sich beruflich und privat einiges geändert hat bei beiden, da sind wir aktuell selber überfragt und am überlegen was für uns am meisten Sinn macht

 

Ich bedanke mich für dieses Gespräch und den Einblick in die Jugendarbeit. Dass aktive Spieler ein Erfolgsmodell darstellen können, habt ihr beide eindrucksvoll bewiesen. Die ehrenamtliche Arbeit in der Jugendarbeit ist ein Gewinn für alle. Für die Spieler, die von aktiven Spielern eine Menge lernen können und für die Jugendtrainer, die selber noch einiges mitnehmen können. Ihr seid auch Spieler einer Seniorenmannschaft und interessiert euch für die das Trainergeschäft? Habt ihr Freude daran mit Jugendlichen oder Kindern zu arbeiten? Dann melden euch einfach bei uns! Kontaktiert unseren Jugendleiter Markus Hering oder dessen Stellvertreter Marcel Beulke und wir sprechen mögliche Szenarien ab. Aktiv Fußball spielen und Jugendtrainer sein ist machbar! Leistet ein Beitrag für die Zukunft des Adlers!

 

Interviewpartner: Moritz Klein, Julius Otterbach, Marcel Beulke