DIE STORY

DAS "FAST-AUFSTIEGSJAHR"

Die Corona-Pandemie hat den Spielbetrieb mal wieder zum Erliegen gebracht, daher möchten wir uns in der nächsten Zeit mit tollen Adler-Momenten aus der Vergangenheit beschäftigen. Ein herausragende Saison war der beinahe Aufstieg unserer 1. Mannschaft in der Saison 2010/2011. Um über dieses tolle Spieljahr zu sprechen, habe ich mir heute drei mehr oder weniger bekannte Gesichter eingeladen, die einen aktiven Beitrag zu dieser denkwürdigen Saison geleistet haben.

 

Seid gegrüßt. Schön, dass ihr Zeit gefunden habt mit mir über diese tolle Saison zu sprechen. Obwohl ihr natürlich alle bekannte Adler-Persönlichkeiten seid, würden sich manche Leser sehr darüber freuen, wenn ihr euch kurz vorstellen würdet. Wer seid ihr? Was macht ihr aktuell persönlich und fußballerisch?

 

Benjamin Christ: Moin aus Hamburg, ich bin Benny Christ, lebe seit 2013 in der Hansestadt, bin 36 Jahre alt. Ich arbeite dort als Lehrer und bin fußballerisch nicht mehr aktiv. Man muss wissen, wenn es gut ist, gell Micha? 😂 In der „Fastaufstiegssaison“ hab ich überwiegend im linken Mittelfeld agiert.

 

Raphael Otterbach: Grüßt mich erstmal. Ich bin der auf ewige Zeiten als "Trainingsbester" titulierte Raphael Otterbach.😂😜 Ich habe meine gesamte Jugend und bis auf einen kurzen Abstecher bis vor anderthalb Jahren für die Adler meine Fußballtreter geschnürt. Da meine Wege mich aber aus dem schönen Föschbe wegzogen, bin ich nun nicht mehr ganz so oft im Adlerhorst anzutreffen. Ich kicke noch ein bisschen in den Siegerländer Kreisligen und stehe mit meinen 32 Lenzen für den TuS Johannland auf dem Spielfeld. Hier wohne ich mittlerweile auch, im kleinen aber feinen Irmgarteichen.

 

Michael Herzog: Hallo Marcel. Da ich mittlerweile im 12. Jahr beim Adler aktiv bin dürfte mich ja jeder kennen 2008 bin ich nach fast 350 Spielen für den VfB Wissen zum Adler gekommen und hab es bis jetzt nie bereut. Hier hab ich bis 2014 in fest in der 1. gespielt. Hab dann meine B Lizenz gemacht und von 2015 bis 2019 die zweite Mannschaft als Spielertrainer trainiert. Jetzt kick ich noch so gut es geht und versuche zu helfen. Zusätzlich trainiere ich noch die E Jugend. Ne Menge Zeit also auf dem Sporti.

 

Um ein bisschen in das Gespräch zu kommen, habe ich Euch kurze Entscheidungsfragen mitgebracht. Seid ihr bereit?

 

Raphael Otterbach: Klar!

 

Benjamin Christ: Leg los 😏

 

Sportplatz oder Adlerhorst?

 

Michael Herzog: Ganz klar das Feld. Danach Adlerhorst.

 

Raphael Otterbach: Erst das eine, dann das andere. Wenn ich mich unbedingt entscheiden muss: Sportplatz.

 

Benjamin Christ: Cool ist auch Adlerhorst und dann Sportplatz und dann wieder Adlerhorst 😂

 

Michael Herzog: So hast du auch oft genug gespielt😉

 

Auswärts- oder Heimspiel?

 

Raphael Otterbach:  Heimspiel.

 

Benjamin Christ: Ganz klar Heimspiel!

 

Michael Herzog: Heimspiel. Wobei so manche Heimfahrt von Auswärts auch gelungen war...

 

Raphael Otterbach: Außer gegen Bitzen, da war es immer traumhaft.

 

Hardtkopf oder Kuchenblech?

 

Benjamin Christ: Hardtkopf....Derby!!

 

Raphael Otterbach: Egal. Wir haben uns auf beiden Plätzen nicht unbedingt immer mit Ruhm bekleckert 😅

 

Michael Herzog: Kuchenblech in Schönstein kleiner Platz. Zuschauer dicht dran. Herrlich.

 

VfB Wissen oder Sportfreunde Wallmenroth?

 

Raphael Otterbach: VfB Wissen. Da waren wir meistens Underdog und konnten manchmal (unerwartete) Punkte mitnehmen.

 

Michael Herzog: Ganz klar meine alte Heimat VfB Wissen.

 

Benjamin Christ: Wallmenroth war mir lange Zeit sympathischer. In Wissen waren die Duelle immer extrem giftig, aber geil!

 

Ole im Sturm oder Melles im Tor?

 

Michael Herzog: Melles im Tor. Der Bewegungsradius is der gleiche.

 

Raphael Otterbach: Ole im Sturm!!!!! Der hat noch die Parkstraße, Marci! 😜

 

Wenn es nur die wäre 😄

 

Benjamin Christ: Melles im Tor....der konnte ja auch Libero. Da fehlt dann nicht mehr viel. Bei Ole fehlt mir die Spritzigkeit im Sturm und Kopfball ist auch nicht seins 😂

 

Erzquell in der Flasche oder Krombacher gezapft?

 

Raphael Otterbach: Erzquell.

 

Michael Herzog: Kölsch im Rhein Energie Stadion.

 

Das ist nicht die Frage 😅

 

Benjamin Christ: Ich bin Flaschenkind...also Erzquell! Ist aber beides okay.

 

Michael Herzog: Dann Erzquell. Ich dachte Du wärst Dosenkind Benny!

 

Benjamin Christ: Für dich ist das 0,2 Glas auch genug, deshalb ist deine Antwort auch okay

 

Gut. Jetzt sind wir warm. Fangen wir mit dem Rückblick an. Lang ist es her. Wir würden gerne wissen, wie eure Rolle im Team war. Wie wäre es, wenn jeder den anderen und dessen Rolle in dieser Saison beschreiben würde. Benny über Micha, Raphael über Benny und Micha über Raphael?

 

Michael Herzog: Also ich hab ja damals meistens in der Defensive gewirkt und hoffe, dass ich dem Team dadurch die nötige Stabilität geben konnte. Ich glaube ich war auch einer der Erfahrensten bei dieser jungen Truppe. Raffi war mit Schmiddi unser Antreiber im Mittelfeld, torgefährlich auch noch und sowas wie der Kabinenclown. Also unheimlich wichtig.

 

Raphael Otterbach: Benny Christ, der in der Vorbereitung beim Pokern seine Beine gegen einen Storch verloren hat, sorgte in der Saison 10/11 dafür, dass die linke Seite gebrannt hat. Mit einem hervorragenden linken Fuß ausgestattet, konnte er so manche Angriffe einleiten und die Stürmer füttern. Ich finde, dass er durch seine gute Spielintelligenz und auch durch seinen stets vorbildlichen Kampfgeist ein Team voranbringen und mitreißen konnte. Nur Tore waren nicht so seins, oder Benny? 😜

 

Benjamin Christ: Micha war der total aggressive Typ mit viel Erfahrung. Der war für mich der Inbegriff des klassischen Innenverteidigers. Micha hat die Jungs auch im Aufwärmkreis abgegrätscht. Der war gefühlt immer bei 180%. Der war einfach wichtig für die Spannung auf dem Platz und die engen Spiele!

 

Die damalige Vorsaison schloss man auf dem vierten Tabellenplatz ab. Habt ihr vor der Saison damit gerechnet am Ende kurz vor dem Aufstieg zu stehen?

 

Michael Herzog: Also ehrlich gesagt Mannschaften wie Wissen und Westerburg waren da schon besser besetzt von den Namen her mit etlichen Spielern, die schon Höher gespielt haben. Aber insgeheim hat man sich schon was ausgerechnet die Jungs hatten unheimliches Potenzial und die Mischung hat gestimmt. Konditionell waren alle in einer Topverfassung so das man auch von größeren und längeren Verletzungen verschont blieb.

 

Raphael Otterbach: Vorher mit was zu rechnen ist glaube ich zu viel gesagt. Wir wussten, dass wir eine gute, seit zwei drei Jahren eingespielte Truppe waren. Natürlich konnte auch keiner wirklich ahnen, dass der Ruben in seinem ersten Seniorenjahr so einschlägt. Ich glaube, dass wir schon gehofft haben, oben mitmischen zu können. Trotzdem war für mich vor der Saison der VfB Wissen der große Favorit.

 

Benjamin Christ: Ne, gefühlt gab es immer mindestens eine übermächtige Mannschaft in der Klasse. Außerdem hatten wir auswärts schon immer Probleme, so dass man nicht damit rechnen konnte. Es fehlte immer an Konstanz, obwohl gerade mit Micha in der Abwehr, Schmiddi im Zentrum und Ruben vorne drin schon richtig Qualität da war. Aber nach den ersten Spielen, da kam schon das Gefühl, dass es ne große Spielzeit werden könnte.

 

Trainer war damals Michael Ferfort. Was war er für ein Trainer? Was waren seine Stärken?

 

Benjamin Christ: Rethorik 😂

 

Raphael Otterbach: Samma mo, in däm Moment is dat ebens det entscheidende.

 

Benjamin Christ: Spaß bei Seite...der hatte schon eine klare Vorstellung. Absolut stabile Defensive. Eigene Hälfte eng halten und dann Konter. Das war einfacher, nicht immer schöner, aber sehr effektiver Fußball. Wir waren gefühlt die einzige Mannschaft, die noch mit Libero gespielt hat 😂

 

Michael Herzog: Der Ferfi. Mein alter Weggefährte. Ferfi ist menschlich ein Top Typ. Und jede Menge Erfahrung. Die Spielphilosophie von Ferfi passte auch zu uns. Hinten gewinnt man Spiele Vorne entscheidet man Spiel. Eine Abwehr gewinnt Meisterschaften...

 

Raphael Otterbach: Der Ferfi ist einfach ein echter Typ. Versteht was von Fußball, konnte selbst eigene Erfahrungen von früher einbringen und war nach dem Training mit bei den letzten in der Kabine. Und auch wenn er uns in so mancher Ansprache ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert hat, dann haben wir uns danach aufm Platz trotzdem nie die Butterbrote wegnehmen lassen. Weil das war das A und Ultra.

 

Benjamin Christ: Der passte menschlich 100%.

 

Michael Herzog: Und immer ne Tüte Katjes im Auto...

 

Wie war die Mannschaft aufgebaut? Wer waren die Stützen? Gab es herausragende Führungsspieler in den eigenen Reihen?

 

Michael Herzog: Da könnte man jetzt vielen nennen. Vorne hatten wir natürlich zwei absolute Waffen mit Michi und Ruben. Was haben die Meter gemacht. Ich glaube zusammen hatten beide nachher 40 Hütten geschnürt. Im Zentrum ganz klar Raffi und Schmitti. Otti als ruhender Pol auch nicht zu vergessen.

 

Raphael Otterbach: Führungsspieler waren auf jeden Fall der Otti, der Schmidden und der Herzog. Die haben die Mannschaft geführt, gepusht und angetrieben. Ansonsten war es in der Saison glaub ich echt so, dass es fast egal war, wer wo gespielt hat. Es hat vieles gepasst und wir sind irgendwie durch die Saison geflogen... Ich hab da heute morgen nochmal ein Mannschaftsfoto von der Saison gesehen, ich glaub da kannste echt keinen rausnehmen.

 

Benjamin Christ: Ein geiles Team. Da hat sich aber jeder für den anderen zerrissen. Ruben und Schmiddi hatten eine herausragende Saison. Michi Leis hat auch viele Tore geschossen. Insgesamt war es aber tatsächlich auch das Kollektiv. Jeder hat zu jeder Zeit seine Aufgabe erfüllt. Micha war hinten Pfeiler, Raph war ja feiner Fußballer mit dem Auge für den richtigen Ball....Jeder war da extrem wichtig. Es waren auch in vielen Spielen unterschiedliche Leute, die den Ausschlag gaben. Es passte einfach alles zusammen.

 

Micha, wie du schon erwähnt hast war das Sturmduo Balthasar und Leis sorgten für Furore. Was machte beide Stürmer so gefährlich?

 

Benjamin Christ: Ruben war einfach eine Maschine. Wenn der den Ball hatte, dann kam man da nicht mehr dran. Michi wusste wo das Tor steht. Der hatte einfach einen mega Instinkt für den richtigen Abschluss...

 

Michael Herzog: Also Ruben seine körperliche Präsenz, Durchsetzungsvermögen und Schnelligkeit. Als ehemaliger Eishockeyspieler auch verständlich. Und beiden hatten einen extrem guten Abschluss. Eiskalt vor dem Tor.

 

Benjamin Christ: Da hat auch einer immer zwei Mann beschäftigt, das gab Platz für den anderen.

 

Raphael Otterbach: Michi ist einfach ein Vollblutstürmer. Ich glaub der hat auch noch nie irgendwas anderes gespielt, oder? Der weiß einfach, wo das Tor steht. Und Ruben war nur am rennen, springen und kämpfen. Und dann kam da noch seine brutale Stärke am Ball hinzu. Schon ein starkes Duo.

 

Michael Herzog: Ich muss auch lange überlegen wann ich mal so ein perfektes Sturmduo gesehen hab.

 

Benjamin Christ: Da konnte man auch gut den Ball nach vorne hauen und einer von beiden macht schon was draus 😂

 

Raphael Otterbach: Einfach für uns 😜😊

 

Michael Herzog: Na ja ein bisjen Fußball gespielt haben wir ja doch...

 

Gab es einen Zeitpunkt bzw. ein Spiel an dem die Mannschaft wusste, dass das für ganz oben reichen könnte?

 

Raphael Otterbach: Puh, schwierig. Ganz so detailliert hab ich den Verlauf der Saison leider nicht mehr im Kopf. Ich sach einfach mal: Nach der Hinrunde.

 

Michael Herzog: Also ich glaub das war in Müschenbach, als wir da auswärts 2:0 gewonnen haben. Da hab ich dran geglaubt es zu schaffen.

 

Beim letzten Heimspiel der Saison wurde der Adler aus Derschen mit 9:1 besiegt. Danach gab es kein halten mehr. Welche Erinnerungen habt ihr an diesen Tag?

 

Raphael Otterbach: Das war ein absolutes Fußball-Fest. Da hat (bis auf das Gegentor) alles gestimmt. Ich glaube, da waren alle Tore herausgespielt. Oder fast alle. Ich erinnere mich besonders an eines der letzten Tore, (Achtung, Eigenlob!) als der Hille und ich mit ein paar Doppelpässen Hackentricks die Hintermannschaft ausgespielt haben. Das war schon fein. 😂

 

Benjamin Christ: Das war Wahnsinn! Ein wichtiges Spiel. Ein Sieg musste her und dann 9:1! Da waren wir auch vom Torverhältnis vorbei und glaubten fest, dass es jetzt geschafft ist.

 

Raphael Otterbach: Und natürlich denk ich gerne an die Sause nach dem Spiel. Klar, wir mussten zwar noch ein Entscheidungsspiel spielen, aber wir waren dank dieses Schützenfestes ja Tabellenerster. Gefühlt also Meister. Das war schon geil, was da am Platz, an der Turbo-Bude und im Adlerhorst abging.

 

Michael Herzog: Ein Witz eigentlich noch immer, dass das Torverhältnis auf Kreisebene nicht zählt. Normal sollte das auch belohnt werden. Dann wären wir durch gewesen.

 

Benjamin Christ: An dem Tag dachten wir auch für 2-3 Stunden, dass es das war. So haben wir auch gefeiert.

 

Am Ende der Saison stand man punktgleich mit der SG Westerburg auf dem 1. Tabellenplatz und verfügte über das bessere Torverhältnis. Wie schon gesagt, zählt auf der Kreisebene kein Torverhältnis. Ein Entscheidungsspiel musster her. Das Spiel fand unter traumhaften Bedingungen statt. Reisebusse brachten Adlerfans zum neutralen Platz nach Neunkhausen. 750 Zuschauer wurden Zeuge von diesem denkwürdigen Spiel. Welche Erinnerungen habt ihr an diesen Tag?

 

Michael Herzog: Es waren 1500 Leute da.

 

Das stand auf Fussball.de. Danke für die Info.

 

Raphael Otterbach: Ich muss zugeben, das war schon heftig. So was hatte ich noch nicht erlebt. Wir haben uns dann mantra-artig eingeredet, dass das auch nur 90 Minuten Fußball sind. Aber da hat uns glaub ich eindeutig die Erfahrung und Gelassenheit gefehlt.

 

Benjamin Christ: Das war schon krass! Die meisten von uns hatten ja nie vor solch einer Kulisse gespielt. Wir waren auch extrem motiviert. Es lag richtig Spannung und Energie in der Luft, aber eben auch eine gewisse Anspannung. Unsere Erfahrungen auf Rasenplätzen waren auch nicht die Besten. Da sahen wir uns schon leicht im Nachteil. Trotzdem wollten wir unbedingt gewinnen!

 

Raphael Otterbach: Einfach extrem schade, dass wir uns nicht für die geile Saison belohnen konnten...

 

Benjamin Christ: Da kamen einfach 1-2 Sachen zusammen, die zuvor immer gepasst hatten. Wir bekamen ja auch relativ früh ein total dummes Gegentor....So richtig kamen wir auch nicht ins Spiel. Der Gegner hat uns dann ein wenig mit unseren eigenen Waffen geschlagen.

 

Michael Herzog: Also erstmal war ich ja noch in Holland im Familienurlaub dann kam der Entschluss, dass mich der Maik Hadem in Aachen auf halber Strecke abholt. Ich mich also nach Aachen fahren lassen und dann vom Maik abholen lassen Tasche gepackt und zum Spiel. Simone mit den Kids noch 3 Tage in Holland geblieben....man ist halt Fußballverrückt. Kann ich Simone bis Heute nicht hoch genug anrechnen. Was die Alles mitgemacht hat...Zum Spiel. Ich glaube da hatten einige von unseren jungen Spielern schon ne gehörige Portion Respekt vor der Kulisse. Westerburg hatte halt viele erfahrene Jungs in seinen Reihen wie die beiden Meuers, Thommy Eisel etc. Eine Menge Erfahrung die den Ausschlag gegeben hat. Das Spiel war relativ ausgeglichen aber Westerburg war einfach gnadenlos effektiv vorm Tor an diesem Tag. Wir lagen bereits nach 20 Minuten 2:0 hinten. Das nagt dann auch. Wobei man auch sagen muss das der Keeper von Westerburg, Carsten Wolf, auch einen Sahnetag hatte.

 

Am Ende ging das Spiel mit 3:1 verloren. Gibt es etwas was ihr persönlich an diesem Tag anders machen würdet, falls ihr die Möglichkeit dazu hättet?

 

Michael Herzog: Wenn ich das Ergebnis vorher gewusst hätte, wäre ich glaub ich am Strand geblieben.

 

Benjamin Christ: 😂

 

Raphael Otterbach: Mit Verlaub: Was ist das bitte für ne bescheuerte Frage, lieber Reporter? Tiefpunkt, Tiefpunkt. Und dann kommt nächste Woche der nächste noch tiefere Tiefpunkt. Für mich ist das alles nur BlaBlaBla. BlaBlaBla ist das doch!

 

Michael Herzog: 😂😂

 

Benjamin Christ: Du sitzt da mit den 3-4 Weizen und stellst dann solche Fragen...

 

Raphael Otterbach: Weißbier-Beulke!

 

Benjamin Christ: Vielleicht hätten wir den Abend vorher doch 1-2 Bier trinken sollen. Dann wären wir vllt. lockerer gewesen. Das war auch die einzige Veränderung zu sonst...daran hat es gelegen.

 

Naja, anscheinend steckt der Stachel der Niederlage doch noch tiefer als ich dachte😂😂. Also ich entschuldige mich für die verunglückte Frage und stelle die nächste: Wäre Bezirksligafussball für die damalige Mannschaft machbar gewesen?

 

Michael Herzog: Mit 2 bis 3 Neuzugängen definitiv. Ist immer leichter die Klasse zu halten als aufzusteigen.

 

Raphael Otterbach: Ich denke schon. Hinten Beton anrühren und nach vorne waren wir ja sowieso gut aufgestellt. Wir hätten sicherlich nichts mit der oberen Tabellenregion zu tun gehabt, aber für einige Überraschungen wären wir bestimmt gut gewesen.

 

Benjamin Christ: Ja, würde ich bestätigen. Wäre die Truppe so zusammengeblieben, wäre das interessant geworden.

 

Auch wenn die Frage eine rein theoretische ist: Was würdet ihr sagen unterscheidet die damalige Mannschaft von der jetzigen 1. Mannschaft?

 

Raphael Otterbach: Die sehen alle so gut aus heute! Bunte Fußballschuhe, schöne Haare,... Ne, im Ernst: Ich glaube, im Grunde sind Mentalität und Zusammensetzung der beiden Mannschaften gar nicht so unterschiedlich. Es sind auch jetzt immer noch viele Spieler im Kader der Ersten, die auch damals schon dabei waren. Dass sich drumherum im Laufe der Jahre was ändert, ist ja auch normal. Wichtig ist meiner Meinung nach nur, dass es eine echte Truppe ist, die miteinander kämpfen und spielen, die aber auch nicht für ein paar Mark in der Tasche irgendwo anders hinwechseln. Damals waren wir ne richtige Einheit. Ich denke und hoffe, dass sich daran nicht allzu viel verändert hat.

 

Benjamin Christ: Von der Veranlagung, den fußballerischen Talenten, da sehe ich die jetzige Truppe als vielversprechender an. Da sind unfassbar gute Kicker drin. Ich glaube aber, dass bei uns damals die Kombination an Typen und Fähigkeiten einfach exakt gepasst hat. Jeder konnte was, was ihn zu einem wichtigen Bestandteil gemacht hat. Man muss auch sagen, dass wir auch in den richtigen Momenten das nötige Glück hatten. Es war die einzige Saison in der wir derartig konstant waren.

 

Michael Herzog: Also vom spielerischen her ist die jetzige 1. Mannschaft definitiv eine Klasse besser. Wir hatten halt damals den unbedingten Siegeswillen. Eine Wahnsinnsmentalität. Auch nach Rückständen sind wir wieder zurückgekommen und haben Spiele gedreht.Da gab es immer nur Vollgas. Da hat einer für den anderen gefightet. Und wir hatten das Glück, dass niemand großartig verletzt war. Was daran liegt, dass wir alle topfit waren.

 

Raphael Otterbach: Da hat der Ferfi für gesorgt 😅

 

Benjamin Christ: Ja, Ferfis harte Vorbereitung...

 

Wie sah die harte Vorbereitung aus? Wie kann man sich das vorstellen?

 

Michael Herzog: Was sind wir gelaufen.... aber das hat was gebracht. Old School halt. Nicht der Mist von Heute.

 

Raphael Otterbach: Bergläufe, ...

 

Benjamin Christ: Ja, jede Einheit in den Wald. Bergläufe, Dauerläufe, Widerstandsläufe....überall Läufe 😂

 

Michael Herzog: Die ersten 2 bis 3 Woche bist du nur gelaufen. Rund um den Giebelwald. Aber da war man fit.

 

Raphael Otterbach: Huckepack den Betzelseifen hoch. Da war derjenige froh, der den Benny aufm Rücken hatte 😜

 

Benjamin Christ: Und dann kam Kleinfeld....Zweikämpfe und Abschlüüüsss!! Wieder und wieder 😂

 

Glaubt ihr, dass man mit diesen Trainingsformen und der beschriebenen Spieltaktik in der heutigen A-Klasse noch Erfolg hätte oder hat sich der Fußball mit den Jahren doch zu stark verändert?

 

Raphael Otterbach: Ich glaube in diesen Klassen kommt es ganz besonders auf Fitness und Mentalität an. Dass du den Berg auch ganz hochsprintest und nicht bei dreiviertel der Strecke ausläufst, das bringt für beides ungemein viel. Das Fußballerische kommt dann durch den eigenen körperlichen und mentalen Zustand.

 

Benjamin Christ:  Wir haben auch schon taktisch gearbeitet. Das war ja auch einer der Schlüssel. Wir hatten 3-4 Grundprinzipien und die konnte jeder auf dem Feld. Jeder wusste was zu tun war. Der Schlüssel war die Einfachheit. Ich glaube das das auch jetzt durchaus noch hilfreich sein kann. Erst musst du immer die Basis legen.

 

Michael Herzog: Also Taktik ist schon extrem wichtig bzw. wird immer wichtiger. Aber was nützt dir die beste Taktik, wenn die Basics nicht stimmen. Das ist gerade in den unteren Klassen die Grundvoraussetzung. Die Einstellung muss passen. Wie rennen, kämpfen, beißen und der unbedingte Wille jedes Spiel zu gewinnen. Der Rest kommt dann meistens von alleine.

 

Am Ende des Interviews nur noch bei eine Frage: Wer war in der Kabine das absolute Feierbiest und neben wen wollte man sich am liebsten gar nicht setzen?

 

Michael Herzog: Wenn man zwischen dem Raffi und Marci sitzt hat man verloren. Also der Michi Leis war mal kein Feierbiest...

Raffi hatte mal en Fisch in der Tasche😉😂!

 

Raphael Otterbach: Und das nur, weil ich eure Taschen mit Kabelbinder aneinander gekettet hab. Das war unverhältnismäßig! Das ist jetzt schwierig. Ich würde nämlich auf beide Fragen mit Ole antworten. Mit dem konnte man schön ein Bierchen trinken, der hatte immer was zu erzählen und man konnte ihm auch wunderbar auf die Nerven gehen (Sorry, Ole!😜). Andererseits war seine Sporttasche und alles drum herum natürlich auch seiner Körpergröße angepasst, sodass man nicht mehr viel Platz für sich beanspruchen konnte. Alles in allem war ich aber sehr zufrieden damit, viele gemeinsame Stunden mit ihm in der Kabine verbracht zu haben. Und als sich kurz darauf auch noch Marci auf die andere Seite von Ole gesetzt hat, konnte er sein Glück glaub ich kaum fassen. 😂

 

Benjamin Christ: Puuuhhh. Neben Ole wollte man nicht sitzen. Der brauchte viel Platz, die Handschuhe haben gestunken wie Sau und wenn man einen Witz über ihn gemacht hat, hat er einen transaliert.  Ich saß neben Schmiddi. Das war schon geil. Der war immer lang da, hat viel Bier getrunken und hier und da nen trockenen Spruch rausgefeuert. Das war schon gut 😏

 

Michael Herzog: Ihr hattet die Heizung im Rücken.....ihr Memmen.

 

Ich danke euch für das tolle Gespräch. Ihr habt in der besprochenen Saison was unglaubliches und historisches geleistet. Ihr könnt stolz darauf sein! Bleibt gesund.